Rückblicke auf Mittel-/Zentral-Europa. Eine europapolitische Debatte und ihr Fortleben
Erneut ist die Rede von Mittel- bzw. Zentral-Europa. Fast 50 Jahre nach Beginn einer Debatte, mit der eine neue Perspektive auf eine ideologisch geprägte Region (Ostmitteleuropa) geworfen und die Konfrontation des Kalten Krieges überwunden wurde, werden die Begriffe Mittel- bzw. Zentral-Europa (Central Europe) als Deutungsschemata aufgegriffen und neu beschrieben.
Das Weimarer Kolloquium aktualisiert eine gesellschaftspolitische Kontroverse, die seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine eine neue Bedeutung erhalten hat. Es geht mit den Begriffen und Deutungsschemata um ostmitteleuropäische Erfahrungen, die auch im Westen als Beiträge des Ostens zur Zukunft Europas wahrgenommen werden sollten.
Fachkommission Sprache und Literatur des Herder-Forschungsrats
in Zusammenarbeit mit dem Archiv der Akademie der Künste, Berlin
Gefördert von der Ernst-Abbe-Stiftung
Weimar
22.04.2026-26.04.2026
Programm
Tagungsort:
Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Klassik Stiftung Weimar
Bücherkubus, Platz der Demokratie 4, 99423 Weimar
Mittwoch, 22. April 2026
14:00
Begrüßung
14:30-16:00
Sektion 1: Begriffstheoretische Sondierungen
Mitteleuropa. Zur Karriere eines politisch-kulturellen Konzepts
Steffen Höhne (Weimar/Prag)
Wo liegt Mitteleuropa und wer sind die Mitteleuropäer?
Miloš Havelka (Prag)
16:30-18:00
Sektion 2: Diachrone Verortungen
Die Idee der Mitteleuropäischen Vereinigten Staaten in der Zwischenkriegszeit
Reinhard Laube (Weimar)
Versuch über eine Ideengeschichte Mitteleuropas
Annette Werberger (Frankfurt/Oder):
18:00
Abendvortrag: Begriffskarrieren. Zu den Konzepten Mittel- und Zentraleuropa
Johannes Feichtinger (Wien)
Donnerstag, 23. April 2026
9:00-10:30
Sektion 3: Literaturwissenschaftliche Konzeptualisierungen
Drang nach Osten, Flucht nach Westen. Leerstelle Mitteleuropa?
Florian Kührer-Wielach (München)
Mitteleuropäerinnen. Weibliche Stimmen in einem männlich geprägten Diskurs
Alfrun Kliems (Berlin)
11:00-13:00
Sektion 4: Die ungarischen Debatten
Wiederkehr der Geschichte? Politische Misere und Hysterie als politische Merkmale Mitteleuropas im Werk von István Bibó
László Levente Balogh (Debrecen)
Péter Esterházy, Danilo Kiš und die „mitteleuropäische Poetik“
Gábor Gángó (Erfurt/Budapest)
Der Schriftsteller und Dissident György Konrád und Mitteleuropa
Katalin Madácsi-Laube (Berlin)
14:00-16:00
Sektion 5: Die tschechischen Debatten
Das Exkludierte. Transformationen europäischer Bipolarität im tschechischen Mitteleuropadiskurs der 1980er und frühen 1990er Jahre und ihr Erbe
Peter Bugge (Aarhus)
Jakub Deml, die tschechische katholische Moderne und die Krise des Liberalismus: Wie Mitteleuropa zur Idee und Europa zur Frage wurde
Alexander Wöll (Potsdam)
Eda Goldstücker – Begegnungen mit einem Mitteleuropäer im Prager Kaffeehaus
Eduard Schreiber (Berlin)
16:30-18:00
Sektion 5 - Fortsetzung
„Böhmen am Meer“. Eine mitteleuropäische Europa-Vision im Werk L. Moníkovás
Alena Zelená (Prag)
„Sie sagen immer noch Osteuropa zu uns.“ Charakterisierungen von Mitteleuropa im Werk von Jaroslav Rudiš
Hélène Leclerc (Toulouse)
18:00
Abendprogramm: Lesung von Texten zur Zentraleuropa-Debatte aus Tschechien, Ungarn, der Ukraine und Polen
Freitag, 24. April 2026
9:00-10:30
Sektion 6: Blicke in die weitere Region
Interventionen gegen die ‚Tragödie Mitteleuropas‘: Ludvik Kunderas Kooperation mit Dichtern der DDR
Lothar Ehrlich (Weimar)
Mitteleuropa in ukrainischen Diskursen
Iryna Kovalenko (Frankfurt/Oder)
11:00-12:30
Sektion 6 - Fortsetzung
Stanisław Barańczaks Essays über „Eastern Europe“ - wie ein Pole in den USA den Begriff Mitteleuropa umgeht
Bernd Karwen (Leipzig)
Visegrád: Ein politisches Erbe Ostmitteleuropas?
Péter Techet (Wien)
Tagungsleitung: Prof. Dr. Steffen Höhne (Weimar/Prag), Dr. Reinhard Laube (Weimar)
Ansprechpartnerin: Mieke Hagenah (Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Klassik Stiftung Weimar)