Ostmitteleuropa interdisziplinär

Neue Publikationsreihe des Herder-Forschungsrats im Harrassowitz Verlag

In Ostmitteleuropa interdisziplinär spiegelt sich die Programmatik des Johann Gottfried Herder-Forschungsrates.

Ostmitteleuropa ist hier weit gefasst und schließt auch die nordost- und südosteuropäischen Regionen ein. In kritischer Abgrenzung von ideologisch aufgeladenen, homogenisierenden Raumkonstruktionen wird Ostmitteleuropa weder als eine geographisch fest umrissene noch als eine politisch, kulturell oder anderweitig abschließend "gefüllte" Größe verstanden.

Vielmehr wird anknüpfend an Oskar Halecki, Jenő Szűcs und Klaus Zernack das Modell einer offenen Geschichtsregion zugrunde gelegt, also ein höchst wechselhaft zusammenspielendes Ensemble sich historisch wandelnder Strukturmerkmale, zu denen polyethnische und mehrsprachige Siedlungsprozesse, konfessionelle Pluralität, imperiale Verfasstheit und nationale Bewegungen bis zur Entstehung einer "Welt kleiner Staaten" nach 1918 zählen ebenso wie nationalsozialistische und sowjetische Überformung und Erfahrungen exzessiver Gewalt, Dissidenz, zivile Gegengesellschaft sowie postsozialistische Transformationsprozesse.

"Offen" meint gerade auch, Korrekturen, Fortentwicklungen oder Neugewichtungen an diesem Ensemble raumbildender Faktoren zuzulassen. Der heuristische Wert einer solchen erkenntnisleitenden Sicht liegt darin, einer nicht nur der Rede nach interdisziplinären, diachron tiefen und von vornherein transnationalen Forschung einen handhabbaren Rahmen zu geben.

Interdisziplinär verweist auf den Mehrwert einer solchen räumlichen Eingrenzung, in der es eben nicht um einen historischen Zugriff allein geht. Diese Mischung aus Fokus und Flexibilität des Konzepts Ostmitteleuropa ist seine erprobte Stärke und kennzeichnet die Publikationen dieser Reihe.

Die Reihe erscheint im Harrassowitz-Verlag Wiesbaden.

Als Band 1 ist erschienen: Kulturpolitik in Ostmittel- und Südosteuropa (1945–2015)